Der anhaltende Margendruck in der Finanzbranche, gepaart mit stetig steigenden regulatorischen Anforderungen, führen bei vielen Vermögensverwaltern zu grundsätzlichen strategischen Überlegungen, wie ihr Geschäft in Zukunft auszurichten ist. Wir sehen in der Praxis folgende generellen Handlungsoptionen, welche allenfalls mit neuen technologischen Hilfsmitteln ergänzt werden können:

1. Zusammenschluss mit einem oder mehreren Vermögensverwaltern (M&A)

Aus regulatorischer Optik ist die Vermögensverwaltungsgesellschaft an sich das Subjekt der Regulierung. Dies hat in der Praxis zur Folge, dass lediglich vertragliche Verbindungen (z.B. Joint Ventures oder Auftragsverhältnisse) zwischen Vermögensverwaltern keine Erleichterung der Regulierungslast mit sich bringen. Mit anderen Worten bleiben alle involvierten Gesellschaften selber und selbständig für die Einhaltung der regulatorischen Vorschriften verantwortlich. Ein rechtlicher Zusammenschluss (z.B. durch Fusion) hingegen beugt dieser regulatorischen Doppelbelastung vor und kann die regulatorischen Kosten auf grössere Schultern verteilen. Erfahrungsgemäss sind Unternehmenszusammenschlüsse im Vermögensverwaltungsbereich jedoch nicht zuletzt darum herausfordernd, weil man oftmals verschiedene Geschäftsmodelle und somit auch Kundengruppen in einem neuen Gefäss zusammen handhaben muss. Ein offener Dialog über die Erwartungen und insbesondere über gemeinsame Synergien vor dem Zusammenschluss bildet nach unserer Erfahrung deshalb die ideale Ausgangslage, um einen Zusammenschluss zu ermöglichen. Nur wenn von Beginn weg Klarheit und Einigkeit über den künftigen gemeinsamen Weg bestehen, wird der Zusammenschluss zu einem Erfolg.

2. Auslagern von Risk/Compliance Dienstleistungen

Die Kosten für eine interne Risk/Compliance Stelle sind für viele Vermögensverwalter unverhältnismässig hoch. Rechnet man  allfällige Opportunitätskosten hinzu, erscheint für viele Marktteilnehmer das Auslagern dieser Funktion als sehr attraktiv. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Oberverantwortung für die Einhaltung der regulatorischen Vorschriften auch bei einer Auslagerung immer noch beim Verwaltungsrat der Vermögensverwaltungsgesellschaft liegt.

3. Anschliessen an eine Plattform

Das Anschliessen an eine regulierte Plattform führt je nach Struktur zu einem der Fusion gleichgestellten regulatorischen Resultat oder aber möglichen Erleichterungen durch standardisierte Prozesse. Regelmässig ist ein solcher Anschluss aber verbunden mit der Aufgabe eines gewissen Mass an Unabhängigkeit.

4. Umstellen des Geschäftsmodells

Die neue Regulierungspyramide sieht für die reine Anlageberatung regulatorische Erleichterungen vor. Zudem ist es auch möglich, zusätzliche Dienstleistungen anzubieten, die nicht reguliert sind, wie z.B. Konsolidierungen oder Family Office Dienstleistungen.

5. Kontrollierter Exit

Der Entwurf der FIDLEG/FING Vorlagen bietet die Möglichkeit des sog. „Grandfathering“. Diese Regelung besagt, dass bisher unregulierte Vermögensverwalter, welche mindestens 15 Jahre tätig sind und keine neuen Kunden mehr annehmen, keiner prudentiellen Bewilligungs- und Überwachungspflicht gemäss FINIG unterstehen (mit Ausnahme der bereits bestehenden GwG-Aufsicht). Die neuen Verhaltenspflichten des FIDLEG sind jedoch trotzdem einzuhalten, was auch hier zu einer internen Prozessanpassung führen muss.
Gerade im Hinblick auf die voraussichtlich zeitnahe Implementierung der FIDLEG/FING Gesetzesnovelle empfiehlt sich somit für Vermögensverwalter, eine genaue Analyse der strategischen Optionen durchzuführen und sich proaktiv zu verhalten.